Nun isses also vorbei. Also: Für Deutschland vorbei. Im Halbfinale hat die DEB-Auswahl gegen Russland verloren. 1:2. Gegen Russland! Als ich als Hockey-Knirps vor... ja, vor vielen Jahren... im Mannheimer Friedrichspark ein Spiel der Deutschen gegen die UdSSR gesehen habe, gab's 1:8 auf die Mütze. Und es sah für Tretjak und Co. mehr wie ein Trainingsspiel aus. Das war heute anders: Die Deutschen boten ihrem Gegner Paroli - und wie. Das war ein Match auf Augenhöhe, und Russland darf sich glücklich schätzen, einigermaßen unbeschadet aus der Nummer herausgekommen zu sein. Gegen Ende des letzten Drittels erst baute Deutschland ab; man konnte sehen, wie weh jedes Forechecking da tat, trotzdem haben die Jungs nicht aufgesteckt. Dass es dann diesen unglücklichen Fehlpass an der gegnerischen blauen Linie gab, zwei Minuten vor Schluss - das war vielleicht schon dem Kräfteverschleiß geschuldet. Ein Fehler, den Russland gnadenlos nutzte. Klar. Eiskalt. Das 1:2 war ein Kracher-Treffer; aus dem Handgelenk in den Winkel, Präzisionsarbeit.
Das Ende eines Traumes. Immerhin hat der aber lang gedauert - bis ins Halbfinale! Ein schöneres Ende hätte sich diese WM in Deutschland nicht wünschen können. Ich habe mir selbst drei Spiele in der SAP-Arena angeschaut: Lettland, Schweiz, Tschechien, Kasachstan und Frankreich trafen da aufeinander - und es waren tolle Spiele. Schnell, hart, fast ohne Unterbrechungen. Dass Deutschland dieses Tempo fast bis zum Ende mitgehen konnte, war alleine schon aller Ehren wert. Und - was im Fernsehen vielleicht gar nicht so gut rüberkam: Auf der Tribüne standen die Anhänger der jeweiligen Gegner gemeinsam in einem Block! Und es gab keine Keile, keine brenzligen Situationen. Sie feierten zusammen, am Ende immer einer ein bisschen mehr als der andere, aber vollkommen gewaltfrei. Nun wird bestimmt wieder häufig von der "Werbung für den Sport" zu hören und zu lesen sein - in diesem Fall stimmt das wirklich. Die WM hat gezeigt, dass Eishockey in Deutschland zu Unrecht noch immer ein Schattendasein führt. Nun faszinierte Deutschland diesmal durch die "geschlossene Mannschaftsleistung", sie war als homogene Truppe erfolgreich. Vielleicht brauchen wir jetzt einfach mal ein paar Typen, die auch abseits des Eises eine gute Figur machen, die auch den Boulevard bedienen. Und dann hätte der Sport die Chance, den WM-Boost mitzunehmen und sich endgültig in der Breite zu etablieren. Endlich.